Nominiert beim Deutschen Multimediapreis mb21!

Nominiert beim Deutschen Multimediapreis mb21!

Nachdem ich es gestern schon auf den Social-Media-Kanälen bekannt gemacht habe, wird es nun auch hier verkündet: Ich bin mit justdisabled beim Deutschen Multimediapreis mb21 nominiert!

So wirklich realisiert habe ich immer noch nicht wirklich, dass das alles kein schöner Traum ist, sondern real…:-D Aber gestern war es noch surrealer…

Ich saß im Auto, auf dem Rückweg von der Anprobe meiner neuen Orthesen, sang aus vollem Halse die Songs aus dem Radio mit, während meine Eltern das Radio immer lauter drehten, um mein Gequake zu übertönen. Nebenbei schaute ich immer mal wieder auf mein Smartphone und las, was auf Twitter gerade so los war. Dabei fiel mir ein, dass ich vielleicht nochmal in mein E-Mail-Postfach schauen müsste, das ich seit einem Tag nicht mehr aktualisiert hatte. Schließlich musste ich die ganzen Benachrichtigungs-Mails von Twitter wieder herauslöschen.

Gesagt, getan. Ich öffnete die E-Mail-App, sah lauter Twitter-Mails aufploppen und scrollte mich am Ende einmal durch. Dabei stach eine E-Mail heraus: Es war eine mir unbekannte Adresse, von der diese Mail geschickt wurde. Sie passte nicht ins Bild…und plötzlich stach mir der Betreff ins Auge: „Deutscher Multimediapreis mb21“.

Sie war da. Die Antwort war da!

Rückblick:

Es war der 1. Juli. Eigentlich ein recht schöner Tag, die Sonne schien und ich konnte ausschlafen. Noch drei Wochen bis zu den Ferien. Sommerferien…allein der Gedanke löste in mir Freude aus, denn ich wurde bei einer Akademie angenommen, die zwei Wochen der sonst so öden Ferienzeit ausfüllen sollte. Doch auch dieser schöne Gedanke änderte nichts daran, dass mir schrecklich LANGWEILIG war. Ich scrollte mich durch Twitter und durch Facebook. Als ich die FB-Timeline durchforstete, stieß ich auf einen Post der FB-Seite meines Stipendiums. Es wurde auf den Deutschen Multimediapreis mb21 aufmerksam gemacht und dass man sein Projekt noch einreichen könne. Der dazugehörige Link wurde ab diesem Zeitpunkt zu meiner Tagesbeschäftigung. Erst las ich mich interessiert quer durch die Website, dann saß ich an meiner Einreichung. Es war eigentlich eine Aktion für mich, um meine Langeweile abzubauen, denn so hatte ich etwas zu tun. Außerdem konnte das Ganze ja nicht schaden. Zufrieden schloss ich dann nach 2 Stunden Website-Glotzen und dem Eintippen der notwendigen Infos meine Einreichung ab und verschickte sie. Und in den darauffolgenden Wochen wartete ich auf eine Antwort.

Nun saß ich da, zwei Monate und 20 Tage später, in meinem Autositz und überlegte, ob ich die E-Mail wirklich öffnen sollte, doch meine Neugier siegte. Ich klickte auf die Mail, las die einleitenden Sätze, die Danksagung für meine Teilnahme…und dann drehten meine Synapsenverknüpfungen völlig frei, denn die darauffolgenden paar Worte überforderten meine Festplatte im Kopf…

„…und freuen uns, Dir mitteilen zu können, dass dein Projekt „justdisabled“ von der Jury für einen Preis nominiert wurde.“

WTF?! Absoluter Blackout. „Ich bin nominiert…“, sagte ich mit zitternder Stimme, „ICH BIN BEIM DEUTSCHEN MULTIMEDIAPREIS NOMINIERT!“ „Deutschen Multi…was?“, drang es von vorne an meine Ohren. Meine Eltern hatten längst wieder vergessen, dass ich dort etwas einreichte. Nach einer kleinen Erläuterung klingelte es aber wieder. 🙂

Sofort wurden Twitter und Facebook aktiviert und Posts geschrieben. Ich kniff mich währenddessen immer wieder selbst, um mich von meinem Bewusstsein überzeugen zu können.

Ich war wach. Als ich heute Morgen aufstand, schaute ich nochmal in meine E-Mails, um sicher sein zu können, dass es kein Traum war. Es ist wahr: Ich bin beim Deutschen Multimediapreis nominiert, werde vom 10.-12. November in Dresden beim Medienfestival und bei der Preisverleihung sein – und kann mein Glück kaum in Worte fassen. 🙂

Wheelie

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Manchmal möchte ich…

Manchmal möchte ich:

Singen, tanzen, schreien,

Mich damit von mir selbst befreien

Losgelöst vom Dasein,

Einfach nur mal ich sein

Manchmal möchte ich:

Alles neu gestalten,

Mich selbst voll entfalten

Losgelöst von Pflichten,

Mich einfach mal frei nach meinen Interessen richten

Manchmal möchte ich:

Einfach mal erleben,

Wie es ist, mit jemanden gemeinsam auf Wolke 7 zu schweben

Losgelöst von jeder Vernunft,

Mit dem Blick in eine rosarote Zukunft

Manchmal möchte ich:

Meiner Wut auch wirklich Luft machen

Nicht mehr alles, was mich kränkt, weglachen

Losgelöst von meiner Fassade,

Jedem meine Meinung sagen, ohne die sonstige Maskerade

Manchmal möchte ich:

Meine Träume wahr machen

Und über (Vor-)Urteile lachen

Losgelöst von dem, was die Anderen sagen

Einfach nur mein Ding machen!

Wheelie

Vorurteile? Nicht mit mir!

Sie sind wie Kletten, die die Gesellschaft an mir – aufgrund meiner Behinderung – befestigte: Die Vorurteile. Alte Bekannte – die jedoch oft von „normalen“ Menschen unter den Tisch gekehrt werden. Keiner will sie haben, aber wenn wir ehrlich sind – jede*r von uns hat welche.

Es ist euch vielleicht schon mal passiert: Man lernt jemanden kennen und denkt sich direkt – obwohl man die Person gar nicht richtig kennt – „Boah, ist der/die arrogant!“ (oder ähnliches), weil z.B. der- oder diejenige nicht gleich mit einem redet.

Zack, schon ist ein Vorurteil geboren. Der Stempel wurde auf die Stirn geklatscht und der Abdruck am besten noch mit dickem, wasserfesten, tiefschwarzem Edding nachgezogen. Aber daran gedacht, ob die Person vielleicht sehr schüchtern, unsicher oder eventuell gerade sehr beschäftigt ist, hat man dabei nicht wirklich. Daran denkt erst beim zweiten oder dritten Blick, wenn man sich etwas besser kennenlernt – manchmal bestätigt sich der erste Eindruck auch, aber das kommt, jedenfalls bei mir, sehr selten vor. Das kann immer passieren.

Oft beziehen sich Vorurteile aber auf Menschen, die so sind, wie sie sind und an ihrer Situation nichts ändern können. Seien es Menschen mit Handicap (körperlicher, geistiger und/oder psychischer Natur), Menschen mit Migrationshintergrund, Personen mit einer anderen Hautfarbe, Schwule, Lesben, Trans* oder auch Hartz-IV-Empfänger. An ihnen kleben Vorurteile wie kleine Klebezettel, die man sich aber nicht einfach abreißen kann, weil die Gesellschaft gleich wieder neue anpappt. Das Spektrum reicht von „Behindert = blöd“ bei Menschen mit einer sichtbaren Behinderung und „Stell‘ dich nicht so an“ bei Depressiven über „Kann ja eh kein Deutsch“ bei Menschen mit Migrationshintergrund und „Pervers“ bei Menschen mit einer anderen Sexualität, als die, die der „Norm“ entspricht, bis hin zu „Sozialschmarotzer, die zu faul sind zum Arbeiten“ bei Hartz-IV-Empfängern. Klingt hart, aber diese Vorurteile sind real.

Warum gibt’s die dann noch? Weil nichts gegen sie unternommen wird! Unter anderem bedienen sich Scripted-Reality-Formate an ihnen, fahren dabei sogar Quoten und damit auch Gewinn ein. Kurz und knapp: Vorurteilen wird nicht der Kampf angesagt, weil man damit Geld verdienen und manchmal auch Erfolg, Bekanntheit und Aufmerksamkeit erlangen kann. Auch, wenn es ziemlich krank ist. Allein deshalb finde ich, dass man gegen Vorurteile ankämpfen soll – auch, wenn es sich manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen anfühlt. Man kämpft nämlich nicht allein.

Wheelie

Wheelie goes TINCON 2017 – so war’s!

Wheelie goes TINCON 2017 – so war’s!

Vor knapp 2 Wochen war es endlich soweit: Die TINCON (Abkürzung für TeenageINternetwork CONvention) Berlin stand vor der Tür! Das Ereignis, auf das ich seit 3 Monaten hibbelig wartete und welches mich auch etwas mit einer Mischung aus Angst, Vorfreude und leichter Panik erfüllte. Der Talk mit Marlon a.k.a. OP-Tisch-Pilot stand bevor.

 

Als ich losfuhr, ging es mir blendend. Es nieselte zwar und ich hatte mich drei Tage zuvor beim Schwimmen leicht am Fuß verletzt, das war mir jedoch herzlich egal. Die Aufregung hielt sich auch in Grenzen. Sehr gespannt darauf, Marlon, mit dem ich schon seit letztem Jahr regelmäßig via Facebook chatte, endlich im „real life“ kennenzulernen und meinen guten Kumpel Ingolf a.k.a. Ingoporter, der auch Speaker war, nach 3 Monaten reinem Telefonkontaktes wiederzusehen, wollte ich nach meiner Ankunft schnellstmöglich bei der TINCON sein.

In Berlin angekommen, holte mich dann auch bald mein Begrüßungskomitee-Trio, welches Marlon zusammentrommelte und führte, aus dem Hotel ab und brachte mich zum Kraftwerk, dem diesjährigen TINCON-Veranstaltungsort. (Wir versuchten uns auf dem Weg übrigens an einer Rolli-Polonaise, geklappt hat es aber nicht so wirklich. :D)

Dort angekommen, war mein erster Eindruck irgendwie düster. Aber nicht im negativen Sinne: Es war sehr dunkel im Kraftwerk, pinke und violette Beleuchtung erhellte es – neben den Stage-Scheinwerfern. Kurzum: Es hatte ein bisschen was von Weltuntergang und bevorstehender Club-Party, in einer guten Mischung.

Damit aber nicht genug: Vor der einen Treppe stand als Absperrung ein Winke-Grumpy-Cat-Pappaufsteller. An der Winke-Grumpy kam man im Übrigen irgendwie nicht vorbei: Sie war in den Talk-Intros, auf Plakaten, Postern, Pappaufstellern und auch als Begrüßung winkend an der Info. Das war aber nicht besonders verwunderlich – schließlich ist sie das TINCON-Maskottchen. Und ich habe seit dem Wochenende einen Grumpy-Cat-Fimmel. 😀

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Etwas verschwommen – die Grumpy hat mir gerade zugewunken. 😀
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Invasion der Winke-Grumpys.

Nach der „Begutachtung“ der Location, fiel mir auf, dass am ersten Tag nicht viel los war. Kann aber auch daran liegen, dass ich erst relativ spät aufgeschlagen bin. Nachdem Marlon und ich etwas am Talk feilten, schaute ich mir noch den Liveauftritt von Sookee an, der für mich zu den absoluten Highlights der TINCON gehört! Hört einfach mal selber in ihre Musik rein, wirklich super!

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Sookie in Aktion!

An Tag 2 fand ich mich bereits um 8:30 Uhr im Kraftwerk ein – nach 6 Stunden Schlaf, langsam, aber sicher, wirklich aufgeregt, wegen dem bevorstehenden Talk und mit meiner neuen Kamera im Schlepptau. Um mich etwas zu beruhigen, knipste ich einige Fotos (von denen auch einige hier eingefügt sind) und ließ mich wenig später etwas von den Eindrücken „berieseln“, fuhr mit meiner inneren Unruhe immer wieder von drinnen nach draußen (und umgekehrt) oder verzog mich in den Speaker-Bereich, um mich mit Kaffee weiter aufzuputschen. (Etwas dumm von mir, ich weiß…:D)

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Unterschriftenwand – auch ich habe mich da irgendwo verewigt…

Während ich meinen Koffeinspiegel im Blut nach oben trieb, traf ich auch Ingolf wieder, der es am Tag zuvor nicht mehr zur TINCON schaffte. Ich sah ihn zunächst nicht (was wohl an der sparsamen Beleuchtung lag), er erkannte mich zuerst aber auch nicht (was an der Beleuchtung UND meinem neuen Haarschnitt gelegen haben könnte). Kurz darauf setzte er sich zu mir (und meinem Kaffeebecher), feilte noch etwas an seinem Talk und der dazugehörigen Präsentation und kämpfte ein wenig mit seiner aufkommenden Nervosität, da sein großer Auftritt nicht mal mehr eine Stunde hin war. Er hat es aber trotz seiner Aufregung super gemeistert! Denn wenig später rockte er die Bühne mit „Jugend an die Macht!“. 🙂

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Ingolf brachte dem Publikum mit vollem Elan durch einen super Vortrag das Thema Jugendpolitik näher.

 

Für Marlon und mich hieß es danach aber, dass wir uns mit dem Feinschliff unserer Präsi ranhalten mussten – viel Zeit hatten wir nach unserem Abstecher bei Ingolfs Auftritt nicht mehr. Trotzdem arbeiteten wir (oder eher Marlon, in Präsentations-Bearbeitung bzw. -Erstellung bin ich völlig unbegabt :D) mit absoluter Ruhe und nahmen zwei Matratzen im Speaker-Bereich in Beschlag. Zum Schluss war Schauspiel-Coachin Inga bei uns, die uns ein Crash-Coaching für Bühnenauftritte gegeben hat (Danke dafür! :)) und die Zeit verflog anscheinend ziemlich. Denn plötzlich wurden wir aufgescheucht: Der Talk sollte in 6 Minuten beginnen!

Tiefenentspannt begab ich mich dann also zum Aufzug – um darin in leichte Hyperventilation zu verfallen. Die Aufregung ließ mit voller Wucht grüßen. Auf dem Weg zur Bühne hyperventilierte ich zwar nicht mehr, aber mein Herzschlag ging durch die Decke. Meine Versagensängste begrüßten mich, ich dachte kurz, ich würde es nicht packen und wäre am liebsten davongerannt. Ich weiß nicht, wie es Marlon ging, er schien aber auch ziemlich aufgeregt gewesen zu sein.

Auf der Bühne lief aber letztendlich alles glatt! (Außer, dass der Fernseher vor uns, der die Präsi zeigen sollte, nicht so recht funktionieren wollte und wir uns immer mehr oder minder auffällig zur Leinwand drehen mussten….but shit happens! :))

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Marlon und ich auf der U21-Stage! Foto: Alice Plati/TINCON

Mir fielen 50.000 Steine vom Herzen, als es vorbei war, doch irgendeine komische Stimme in mir wollte unbedingt nochmal…na ja, vielleicht nächstes Jahr. 😉

Ich konnte die TINCON nach dem Talk voll erleben, lernte u.a. Raúl Krauthausen und Ralph Caspers kennen (zwei meiner Vorbilder!) und war völlig geflasht von dem Ganzen! Und zum krönenden Abschluss am Sonntag wurde ich Zeugin von einem der absolut besten Talks der ganzen Veranstaltung: Die 11-jährige Lilith begeisterte gemeinsam mit Raúl Krauthausen auf der U21-Stage das Publikum (habe leider kein Foto, aber den super Talk findet ihr hier). Da konnten sich manch andere Speaker eine Scheibe von abschneiden!

Alles in allem war es super auf der TINCON! Interessante Talks, Workshops und Games waren wie Magneten und zogen an. Ich kann nur empfehlen, nächstes Jahr mal dort vorbeizuschauen – ich werde definitiv wiederkommen, egal ob als Speaker oder Besucher. 🙂

Wheelie

P.S.: Wenn ihr euch mal anschauen wollt, was Marlon und ich da auf der Bühne erzählten, erfahrt ihr bald hier, wo ihr es finden könnt. 🙂

Copyright-Hinweis zum Schluss: Die Fotos sind alle – sofern nicht anders angegeben – von mir selbst geschossen worden. Falls (ich betone: falls) jemand diese Fotos verwenden möchte, bitte ich um den kleinen Hinweis: „Foto: justdisabled/privat“ und vorherige Kontaktaufnahme. Danke. 🙂

Nachtcafé…

Ihr Lieben, hier ist schon mal ein Fernsehtipp für den 16. Juni!

<3-lichen Glückwunsch, liebe Nina! 🙂

Frau Papa

Eben erhielt ich einen Anruf vom SWR: Ich bin zu Gast im Nachtcafé. Die Aufzeichnung findet am Mittwoch statt… Ich freue mich riesig, denn es geht um starke Frauen – und in so einer Runde eingeladen zu sein, das ist sehr bewegend.

Vor lauter Aufregung sitze ich jetzt im Handtuch (ja, ich war gerade in der Badewanne) am PC und werde gleich einen Blick in den Kleiderschrank werfen. Mittwoch ist ja schon sehr bald!

EDIT: Die Sendung wird am 16. Juni um 22:00 auf SWR ausgestrahlt!

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Kopflos

Kopflos

Es erwischt mich wieder wie ein Schlag mit dem Holzbrett. Mitten auf den Hinterkopf. Wie eine Welle überrollt es mich, ohne das ich es auch nur ansatzweise kontrollieren könnte.

Die Worte der Lieblingsärztin schallen wieder in meinen Ohren. Sie überschlagen sich gerade, klingeln laut, schreien mich an. Sie klingen wie viel zu laute Musik, die ich gerne leiser drehen würde, was ich aber nicht kann, weil ich den Regler nicht finde. Sie schlagen mich wie Peitschen, doch ich kann nicht schreien, weil der Schmerz mir bereits die Stimme genommen hat.

„Das ist Käse!“ „Lauf‘ keinem Phantom hinterher!“ „Das ist viel zu schwer für dich!“  „Bleib‘ realistisch!“ „Wenn du nicht als Medizinerin im Büro eines Pharmakonzerns enden willst – lass es!“ „Wie willst du denn anderen Menschen helfen, wenn du selber eingeschränkt bist?“

Ich fühle mich wie taub. Schon wieder. Ich dachte, ich hätte damit nach fast 7 Monaten endlich abgeschlossen, doch dem ist nicht so, wie ich gerade feststellen musste. Es sitzt einfach zu tief, um es vergessen zu können. Es reicht nur, um es zu verdrängen.

Ich sitze im Transport zur Schule, tippe diesen Text beinahe kopflos in die Handy-App. „Waldbrand“ von Madeline Juno spielen meine Kopfhörer in Dauerschleife, um die Worte zu übertönen, was aber nicht funktioniert. Einen Tweet, der meine Lage hilflos versucht in Form eines Songs zu erklären, habe ich mittlerweile auch abgesetzt. Ich bin nicht in der Lage, klar zu denken. Geradeaus zu denken. Ich kann nicht mal weinen oder schreien; es tobt so dermaßen in mir, dass ich mich wie gelähmt fühle.

Ich weiß, dass mir dieser Post heute Abend leidtun wird, aber ich werde ihn dennoch posten. In der Hoffnung, dass sie es liest und begreift, wie sehr es mich getroffen hat, was sie mir sagte. Falls sie es nicht schon begriffen hat.

Ich versuche, den Tag heute herumzukriegen. Er startet ja schon scheiße, was soll noch passieren? Mein Hunger ist auf jeden Fall schon mit meinem Selbstwertgefühl in den Keller gewandert. Mir ist schlecht. Mein Magen dreht sich auf links, mein Kopf dröhnt, als würde ein Presslufthammer darin arbeiten. Die Ohnmacht in mir verschwindet nicht.

Meinen Gefühlszustand kann ich derzeit nicht zuordnen. Es ist irgendetwas, das ich so nicht kenne: Wut, Traurigkeit, Beklemmung und Taubheit zugleich. Es ist mir einfach fremd. Ich bin mir gerade fremd.

Wegen einiger Worte. Wegen ein paar verdammten Worten, die mir den Boden unter den Füßen nehmen. Die Luft zum Atmen rauben.

Bei dem Gedanken, sie in zwei Monaten wiedersehen zu müssen, wird mir immer schlechter. Ich kann nicht glauben, dass ich das mal schreibe.

Ich kenne sie seit 14 Jahren. Seit 14 Jahren. Sie hat mich teilweise mit aufwachsen sehen. Sie hat mich fallen und wieder aufstehen sehen. Sie hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, wenn ich allein im Krankenhaus war, sobald sie mein Zimmer betrat.

Sie ist der verdammte Grund dafür, dass ich Ärztin werden will und ist der verdammte Grund für meine derzeitige Gefühlslage!

Ich versuche zum x-ten Mal, diesen Artikel zu Ende zu bringen. Ich bringe ihn jetzt einfach zu Ende, weil ich keine Zeit mehr habe. Ich hoffe, ich belaste euch jetzt nicht zu sehr mit meinem Seelenleben, aber das musste einfach raus. Danke fürs Zuendelesen! ♥

Wheelie

Warum?

Warum?

Als Mensch mit Handicap ist man stets bemüht, der Welt zu zeigen, dass man nicht leidet. Dass man ein normales Leben führt.

Ich bin der Meinung, dass es auch so ist. Aber nicht immer.

Auch ich habe Scheißtage, wo ich mit einer Tafel Schokolade auf dem Bett sitze, heule und mich frage, warum. (Klischeehaft, ich weiß. =D)

Warum müssen mich Spastiken aus dem Schlaf reißen? Warum kann ich nicht richtig laufen? Warum muss ich diesen bescheuerten Metallschrott von Rollstuhl manchmal nutzen? Warum muss ich immer wieder als Versuchskaninchen für übermotivierte Orthopäden herhalten? Warum spüre ich meine Unterschenkel kaum? Warum werde ich von Vorurteilen praktisch angezogen? Warum traut mir keiner was zu?

Warum ich?!

Jup, auch das geht einer Wheelie mal durch die Glühlampe in dem Gehäuse, was man Kopf nennt. Also nicht nur „pink fluffy unicorns“, Zuckerwatte, irgendwas Positives, Medizin oder was auch immer ihr dachtet.

Doch das Wichtigste ist, sich nach einer solchen Phase nicht depressiv zu vergraben, sondern wieder aufzustehen. An seine Ziele zu glauben.

An sich selbst zu glauben.

Das wurde mir in den letzten Monaten immer mehr bewusst, denn diese negativen Gedanken, die mich insbesondere nach dem Vorfall mit der Lieblingsärztin verfolgten, machen einen mit der Zeit kaputt.

Es ist egal, was passiert ist. Es ist egal, was du mitgemacht hast. Es ist egal, ob du ein Handicap hast oder nicht. Es ist verdammt nochmal egal, was andere zu deinen Träumen sagen.

Glaub‘ an dich!

Wheelie