BeHINDERNISSE

Auf Twitter entwickelt sich der Hashtag #behindernisse zum absoluten Trend. Auch ich habe meine Meinung dazu.

Hindernisse gibt es für uns Gehandicapte viel zu viele. Das Beispiel, was ich geben kann, ist, dass ich mir aufgrund der miesen Straßenverhältnisse in meinem Ort einen neuen Walker für draußen verschreiben ließ. Warum? Der Walker, den ich zurzeit noch habe, war diesen miserablen Straßen nicht mehr gewachsen. Entweder zerrte ich meinen armen Walker über Schlaglöcher oder ich trug ihn über Kopfsteinpflaster. Sinn und Zweck der Sache ist es aber nicht, den Walker zu schleppen. Er soll einem ja beim Laufen helfen und nicht auf Dauer den Rücken ruinieren. Mit meinen Stützen laufe ich draußen erst gar nicht. Sonst hätte ich mich schon mehrmals – mit Verlaub – auf die Fresse gepackt.

Als Rollstuhlfahrer hat man es da noch schwerer. Ich – als Ex-Vollzeitrollifahrerin und jetzige „Gelegenheits-Vierrädige“ – habe schon öfter erlebt, wie besch….. es ist, mit dem „Wald- und Wiesenrollstuhl“ durch Städte – egal, welcher Größe – ohne Schieber zu kommen.

Vorallem gibt es meinen Beobachtungen nach drei Arten von Menschen: Die Hilfsbereiten, die Sprücheklopfer und die Gaffer. Als ich vor kurzem aufgrund meines baldigen Schülerpraktikums zu meinem Praktikumsbetrieb, einem offenen Kanal im Schulort musste, habe ich gleich alle drei Typen am eigenen Leib zu spüren bekommen. Zuerst kamen die Gaffer. Glotzen, aber der Rollifahrerin auch bei Anfrage keinen Platz machen, weil man zu sehr ins Glotzen vertieft ist – das sind sie. Ich sage da aber nichts mehr zu, da ich gelernt habe, es einfach zu ignorieren. Danach kamen die Sprücheklopfer…bzw. die Sprücheklopferin. Auf meinem Weg über die Folter aller Rollifahrer, ein reiner Kopfsteinpflasterweg, sah ich zwei Mädchen, die vielleicht 1 bis 2 Jahre älter waren als ich. Plötzlich hörte ich ein Klatschen und den zu mir gerichteten Ruf eines der Mädchen: „Los, los, los!“ Ich sah, wer es rief und wollte schon beginnen, loszukeifen – doch da kam mir das andere Mädchen zuvor. „Was soll denn das?!“, rief sie ihrer Freundin erbost zu und zerrte sie weg. Ich fuhr dann weiter meinen Weg bis zum Praktikumsplatz und öffnete unter Anstrengung die schwere Tür. Nachdem ich dann alles geregelt hatte, wollte ich wieder die schwere Tür öffnen, doch dann kam mir jemand überraschend zur Hilfe. Darüber war ich sehr dankbar.

Nur: Warum sind nicht alle Menschen so, dass sie helfen? Selbst auf Nachfrage wird man entweder häufig komplett ignoriert oder man darf sich ein genervtes Stöhnen anhören. Zum Glück ist es schon besser geworden. Aber es muss sich einfach noch mehr ändern, damit BeHINDERNISSE endgültig ausgeräumt werden können.

Wheelie

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Ein Gedanke zu “BeHINDERNISSE

  1. Ich erlebe es genau umgekehrt. Die „Hilfswilligen“ sind mir deutlich zuviel – helfenhelfenhelfen, hechelt es dauernd, Menschen schlagen die Hände zusammen, bücken sich leicht und grinsBrüllen mir ins Gesicht „kann ich heeeelfeeeeen“ mit diesen überdehnten Vokalen, mit denen sie meinen, auch für Kleinkinder verständlich zu sein. Nein, danke, antworte ich. „Aber ich heeeeelfe doch geeeeeern“. „Nein, danke. Ich brauche hier keine Hilfe / ich möchte das trainieren“. „Schäääääm dich doch nicht. Ich machDasSchnell“. „Nein, Danke“. Sie duzen übrigens IMMER. Und sind beleidigt, wenn ich mir nicht heeeelfeeeeen lasse. Weil ich Dinge selbst kann. Weil ich Dinge probieren möchte. Weil ich finde, auch als Behiiiindeeeeerte darf ich mich auch mal anstrengen.

    Aber nein – ich bin dafür da, dass SIE ein „gutes Gefühl“ kriegen beim Heeeelfeeeen. Und wenn ich ihnen das nicht ermögliche, dann fühlen sie sich beklaut – und reagieren pampig. Denn ich MUSS in der Nehmendenposition bleiben, damit SIE „so etwas“ überhaupt ertragen können.

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