4 Monate im Krankenhaus – Zusammenfassung einer tollen Zeit! (Teil 4)

Nach 2 Wochen Orthopädie ging es endlich los: Die Verlegung auf die Reha stand an! Mein Gott, hab ich mich gefreut! Vorallem, weil ich dort auch schon 4 Mal war. Doch das ganze Vorhaben hätte im letzten Moment scheitern können: Die Ärzte reichten zu spät den Rehaantrag ein und so war am Morgen des Verlegungstages die Genehmigung noch nicht da! Hätte ich mich bewegen können und den für das Dilemma zuständigen Stationsarzt in die Finger bekommen…grrr…der wäre einen Kopf kürzer gewesen! Aber was nützt es einem, sich darüber aufzuregen? Absolut gar nichts. Also versuchte ich mich in Entspannung. Meine Mutter bereitete sich auf ihre Abreise vor und bei mir wurden Pflaster gewechselt – alles während wir Patienten im Zimmer uns unterhielten. Und die Ärztin musste den Verbandswagen verteidigen, damit er ihr nicht von jemand anderes geklaut wird. War alles in allem echt witzig im Zimmer. Kurz darauf kam der langersehnte Anruf von der Krankenkasse: Die Verlegung konnte starten! Die letzten Sachen wurden zusammengepackt und ich wurde in den Rolli verfrachtet. Nach einer kurzen Verabschiedung ging es eine Etage weiter runter – zur Reha. Die Aufnahme zog sich aber über Stunden und meine Eltern mussten nach Hause. Ich meine – die pflegerische Aufnahme war fertig und die therapeutische Aufnahme machte ich später allein. Nur die ärztliche Aufnahme fehlte noch. Doch der Stationsarzt kreuzte einfach nicht auf. Meine Eltern wurden immer ungeduldiger. Ich auch. Nach Stunden tauchte der Arzt dann endlich auf – um uns zu sagen, dass er uns nichts sagen könnte, was wir nicht schon wissen würden….„War das grade Ihr Ernst??? War das wirklich Ihr Ernst? Dafür haben wir STUNDEN auf Sie gewartet?!“, dachte ich wutentbrannt und meine Eltern – nach ihren Gesichtsausdrücken zu urteilen – dachten wohl dasselbe. „Durchatmen, einfach durchatmen!“ Ich hoffte, dass meine Eltern dem Arzt nicht an die Gurgel springen würden. Doch er war – zu seinem Glück – schneller aus dem Zimmer draußen, als er drinnen war. Kurz nach diesem „Vorfall“ sind meine Eltern nach Hause gefahren, während ich in meinem Patientenzimmer stand und darüber nachdachte, was die Zeit mir bringen würde. „Wird alles so werden, wie ich es mir erhoffe?“ Ich musste bis August abwarten, denn da wurden mir die Drahtcerclagen aus den Knien entfernt, die meine Knie zunächst dort halten sollten, wo sie bei der OP hingesetzt wurden. Solange durfte ich (aktiv) nichts mit meinen Beinen machen – passive Bewegung war angesagt. Erst als die Cerclagen endlich entfernt wurden, durfte ich durchstarten! Ich konnte es gar nicht abwarten, laufen zu lernen! Erstmal hatte ich Zeit, bis Anfang September – doch es war von Beginn an schon klar, dass diese Zeit nicht ausreichen würde, um mir ein ordentliches Gangbild inklusive Treppensteigen „einzubläuen“. Also bekam ich einen „Nachschlag“ bis Ende September. Aber schon im August machte ich Fortschritte, die mir niemand so recht zugetraut hatte: Ich begann relativ schnell mit dem Laufen am Posterior Walker und bewies Ausdauer beim Laufen. Ich versuchte stets, mein Bestes zu geben – wie ich es mir vor der OP fest vornahm – was mir auch (meistens) gelang. Meine behandelnde Ärztin, die erst kurz nach der Cerclagenentfernung aus dem Urlaub kam, schien, als sie mich wiedersah, ihren Augen nicht zu trauen: Ich lief ihr am PW relativ sicher und mit durchgestreckten Knien entgegen. Das war dies, was schon jahrelang erreicht werden sollte. Ich trainierte und trainierte, um noch besser zu werden. Doch als mir die Zeit davon lief, merkte ich, dass ich noch mehr wollte und konnte, als nur am PW zu laufen: Ich wollte lernen, an 4-Punkt-Stützen zu laufen. Doch wie bereits gesagt: Ich hatte nicht mehr genügend Zeit. Also bat (bettelte) ich um eine Verlängerung – auf freiwilliger Basis. Die Ärzte stimmten zu, weil sie sahen, dass ich wirklich noch was erreichen kann – weil mein Wille groß war. Also wurden 4 Wochen Rehaverlängerung beantragt. Da die Krankenkasse gerne kürzt, rechnete man damit, dass 2 Wochen genehmigt werden. Doch die waren – wider Erwarten – gnädig mit mir: Ich bekam die vollen 4 Wochen als Zusatz! Nun lag es in meiner Hand: Nehme ich die 2 Wochen oder ziehe ich es durch? Ich entschied mich für die 4 Wochen – wenn schon, denn schon! Ich zog es durch: Ich begann zunächst, an 4-Punkt-Stützen zu laufen. Doch das war wohl „zu einfach“, weil ich die Teile hinter mir her schliff. Dann wurden mir 5-Punkt-Stützen gegeben – die haben kleine Griffe, einen kleineren Radius und kleine Punkte. Das funktionierte besser. Ich lief an Stützen – wieder etwas, was niemand erwartete. Es war eine Zeit voller Erfolge und Spaß, denn ich hatte neue, tolle Freunde gefunden und viel erlebt: Quatsch gemacht, Schabernack mit den Ärzten und Therapeuten getrieben, Walzer getanzt ;-), und, und, und…Doch irgendwann kam der Tag, vor dem es mich zum Schluss graute: Nach 18 Wochen Krankenhaus (16 Wochen Reha) – der Entlassungstag. Es war ehrlich beschissen, von allen Abschied nehmen zu müssen. Es tat weh. Mehr als einmal musste ich die Tränen zurückhalten. Als ich dann mit Tränen in den Augen im Auto saß, wusste ich: Das war die beste Zeit meines Lebens! Ich werde sie niemals vergessen!

Einen guten Rutsch ins neue Jahr 2016!

Eure Wheelie

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