4 Monate im Krankenhaus – Zusammenfassung einer tollen Zeit! (Teil 2)

Der OP-Tag – der Tag, vor dem ich die ganze Zeit Angst hatte, war da. Doch irgendwie hatte ich keine Angst mehr. Ich hatte mich wohl damit abgefunden, an diesem Tag unters Messer zu müssen. Bereits um 6 Uhr war ich putzmunter und bereit, den Tag zu starten. Das Einzige, was nicht so toll war, war die Tatsache, dass ich Hunger und Durst hatte, aber absolut nichts mehr essen und trinken durfte. Das war aber vergessen, als ich im Schneidersitz – meiner damaligen Lieblings-Sitz-Position – auf meinem Bett saß und die Glotze einschaltete. Im Schneidersitz sitzen…ein letztes Mal. Ich wusste, dass nach der OP die Beugefähigkeit meiner Kniegelenke eingeschränkt sein wird. Ich musste von allem Abschied nehmen, was mehr als 90º Kniebeugung beansprucht. Also hab ich das alles vor der OP nochmal gemacht: In den Schneidersitz setzen, mich auf die Knie setzen, die Knie bis an den Bauch ziehen, usw.„Vielleicht machst du das jetzt zum allerletzten Mal – vielleicht aber auch nicht.“, dachte ich, als plötzlich die Schwester mit OP-Hemd, Bändchen, Betäubungspflaster für die Hand und der tollen „Mir-ist-alles-sowas-von-egal-Tablette“ vor mir stand. „Jetzt geht es los.“ Meine Gedanken und Gefühle fuhren Achterbahn mit mir. Ich schaute auf die Uhr. Es war 6:45 Uhr. Dann tauschte ich mein bequemes Nachthemd gegen die „OP-Uniform“, ließ mir das Bändchen umlegen, das Pflaster auf die Hand kleben und nahm zu guter Letzt die besagte „Egal“-Tablette. Danach tat sich erstmal nichts. Ich ließ kurz die Beine über die Bettkante baumeln, ehe ich mich zurück in den Schneidersitz begab und mir von meiner Mutter einen Zopf binden ließ. Währenddessen schaute ich wieder zum Fernseher. Die Nachrichten liefen. Dort wurde lang und breit berichtet, dass in Berlin alles für den Besuch der Queen hergerichtet wird. „Interessant…(In China fällt n‘ Reissack um!)“, war mein Gedanke dazu. Kurz darauf begann ich, mich mit meiner Mutter zu unterhalten…ich versuchte es jedenfalls, da ich durch die Tablette immer benommener wurde. Als ich im Gespräch plötzlich einen unerklärlichen Lachanfall hatte und meine Aussprache danach der eines völlig Betrunkenen glich, wussten meine Mutter und ich teilweise, dass es Zeit war, mich hinzulegen. Mein letzter Blick im Zimmer galt der Uhr. Es war ca. 7:10 Uhr. Danach weiß ich nicht mehr so recht, was geschah. Ich habe wohl noch im Delirium vor mich hergebrabbelt. Es waren kurz nach meinem Wegdämmern auch noch zwei Assistenzärzte da, die meiner Mutter sagten, dass sich die Operateure in diesem Moment in den OP begeben würden. Irgendwann wurde ich aus meinem Zimmer geholt. Ich habe das mitbekommen, weil ich auf dem Weg zur OP-Schleuse ziemlich durchgerüttelt und aus meinem Schlaf gerissen wurde. Am Ziel angekommen, wurde mein Bett gegen eine mit Wärmekissen und Heizdecke ausgestattete Liege ausgetauscht. Zunächst hielt sich meine Begeisterung arg in Grenzen, bis ich merkte, dass die Liege auch bequem und warm war…Nachdem ich das Ding für gut befunden hatte, wurde ich an allen OP-Sälen vorbei, in den Vorbereitungsraum geschoben. Dort war die Decke grün…das glaubte ich zumindest. Als man mir die Braunüle in die Hand stach, war mir dies – wider Erwarten – herzlich egal, denn ich hatte „Wichtigeres“ zu tun: Ich quasselte und war mit meinen Vitalwerten sowie dem Geruch der Sauerstoffmaske beschäftigt. Es gab drei Sorten zur Auswahl: Schokolade und zwei andere, aber die interessierten mich nicht, denn allein bei dem Wort „Schokolade“ war ich Feuer und Flamme. Als ich die Maske letztendlich auf hatte, zog ich – langsam schwer atmend – den Sauerstoff in mich rein. Ich sah noch, wie das Narkosemittel durch den Zugang floss und bemerkte, dass meine Augen immer schwerer wurden. Kurz darauf war ich offiziell abgeschossen und bereit für das „Tamtam“ vor der OP: Intubation, Desinfektion des OP-Gebietes, usw. Die zwei Ärzte-Teams (2 Ärzte pro Bein) warteten bereits auf meine „Anreise“ im OP-Saal. Insgesamt dauerte die OP 5 Stunden. Als ich aufwachte, war ich kurz ruhig, doch dann schrie ich vor Schmerz plötzlich auf. Schnell wurde die Schmerzpumpe weiter aufgedreht. Kurz darauf schlief ich seelenruhig wieder ein. Ich starte dann auf Station einen erneuten Aufwachversuch, der jedoch einige Leute in Aufruhr versetzte: Ich erwachte und wollte mit meiner Mutter reden, doch das klappte nicht. Ich stammelte einige Laute und erlitt einen Kreislaufzusammenbruch. Eine Krankenschwester gab meiner behandelnden Ärztin Bescheid, die diesbezüglich Entwarnung geben konnte. Doch ich war ziemlich blass…dazu bald mehr. Mein dritter Aufwachversuch (ca. 4-5 Stunden nach der OP) klappte dann. Zuerst wirkte alles gut, doch dann spürte ich meine Füße nicht mehr. „Mama, haben die mir meine Füße abgehackt?!“, lautete meine Frage. Meine Mutter antwortete mit nein, aber ich sagte ihr, dass ich meine Füße nicht mehr spüre und das sie doch mal gucken soll, ob die noch da sind. Das tat sie und berührte die Füße, aber das bemerkte ich nicht. Daraufhin ließ meine Mutter einen Arzt holen, der den Ausgangspunkt des Übels bemerkte: Die Schmerzpumpe, mit der ich über einen Rückenmarkskatheter verbunden war, war zu hoch eingestellt. Dadurch waren meine Füße komplett betäubt worden. Nach der Runterregelung der Pumpe war auch dieses Problem vom Tisch – doch dies sollte nicht das letzte Problem bleiben…

Teil 3 folgt noch heute! Bis bald!

Wheelie

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